Entfremdung
 

Trauma Ansatz

Die Depersonalisations/Derealisationsstörung ist in vielen Aspekten noch unverstanden. Das gilt insbesondere bei psychotraumatologischen Ansätzen.
Die Symptome Depersonalisation und Derealisation sind innerhalb der Traumatherapie-Ausbildung hinreichend bekannt, wenn diese vorübergehend auftreten oder im Rahmen der peritraumatischen Dissoziation. 

Die Symptome bei der Depersonalisations-/Derealisationsstörung sind hingegen langandauernd, bei vielen Betroffenen über Jahre. Hier kommt es nach wie vor zu Missverständnissen.
Jürgen Schäfer, der seine Dissertation über Bindungstraumatisierungen geschrieben hat, hat 2025 versucht die Depersonalisations/Derealisationsstörung im Rahmen der „Strukturellen Dissoziation“ zu erklären.


Schäfer geht davon aus, dass überwältigender Stress oder Traumata häufig eine langfristige emotionale Vermeidungsreaktion auslösen können, wenn Menschen diesen Traumata kumulativ über lange Zeit ausgesetzt sind (wie Vernachlässigung oder emotionalem Missbrauch). Die Vermeidung diese tiefen emotionalen Schmerzen fühlen zu müssen, die Vernachlässigungen mit sich bringen, wird nach Schäfer durch die dissoziative Struktur aufrechterhalten, weshalb die Symptome nicht nur kurzfristig auftreten, sondern sich chronifizieren. Dieser Ansatz ist nicht neu. Bereits vor ca. 25 Jahren wurde diese Verbindung von Berit Lukas herausgearbeitet.


Ein anderer Ansatz ist die falsche Interpretation der Symptome als mögliche Psychose (ich werde verrückt) oder Hirnschädigung (ich habe eine Hirntumor, den niemand erkennt), wodurch sich aus der ständigen Angst (vor einer Psychose oder Hirnschädigung) die Symptome chronifizieren können.


Insgesamt sind jedoch die Studienergebnisse inkonsistent, weshalb weitere Forschung dringend notwendig erscheint.
Häufig stimmen weder Messinstrumente, Fragestellungen, befragter Personenkreis, Ein- oder Ausschluss komorbider Störungen etc.  überein, weshalb ein Vergleich ohnehin schwierig ist.


Schäfer schlägt deshalb eine Integration von Trauma- und kognitiven Modellen vor.
Diese Forschung steht jedoch noch aus.


Verwendete Literatur:


Lukas, Berit (2003). Das Gefühl, ein No-Body zu sein. Depersonalisation, Dissoziation und Trauma. Junfermann, Paderborn.
Schäfer, J. (2025). Depersonalization/derealization disorder: A comprehensive theoretical formulation. European J of Trauma and Dissociation, Vol9, Issue4.